Kindertagesstätte

 

 

In Sachsen spielen und lernen Kinder mit und ohne Behinderung häufig schon gemeinsam in der Kindertagesstätte.
Dennoch ist dies bisher leider noch nicht in Kindertagesstätte wohnortnah möglich, obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention dies für alle Kinder vorsieht.
9 % aller Kinder mit Unterstützungs-/Förderbedarf besuchen eine heilpädagogische Einrichtung.
Ziel ist eine selbstverständliche wohortnahe Aufnahme von Kindern mit Behinderungen in allen Kindertagesstätten.
Das Spielen und Lernen mit anderen Kindern sowie die spezifische Förderung muss in einer Kindertagesstätte für Alle zur Normalität werden.

Denn: Inklusion heißt Vielfalt leben - auch in der Kindertagesstätte!

 

Wer als Erwachsener integriert leben will, sollte das als Kind schon lernen dürfen. Wo sonst wenn nicht in der Kindertagesstätte und der Schule sollen Kinder und Jugendliche lernen jeden anderen Menschen unabhängig von seinen Fähigkeiten, seinen Begabungen, seinem Geschlecht, seiner Herkunft oder seiner Hautfarbe anzuerkennen?

 




Eine Kita für Alle

Sächsisches Landesmodellprojekt
zu Gelingensbedingungen von Inklusion in Kindertagesstätten

tl_files/Inklusion/Pusteblume hp.jpg

Link zur Projektseite

Der Abschluss- und Ergebnisbericht zum Modellprojekt steht ab sofort online zur Verfügung.
weiter

Der im Rahmen des Modellprojektes entstandene Film steht ab sofort online zur Verfügung.
„Sächsisches Landesmodellprojekt – Inklusion in Kindertageseinrichtungen. Wie inklusive Pädagogik auf den Weg gebracht werden kann“
weiter
 




Presse


Sächsische Pädagogen bekennen sich zu einer Kita für alle Kinder

Bei der Inklusion im Vorschulalter geht es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. Doch der Weg ist weit - und ohne bessere Personalausstattung funktioniert es nicht.

 

                                                                                                            Foto: dpa

Chemnitz. Ein halbes Jahr nach dem Start des Landesmodellprojekts "Eine Kita für alle" sehen die Organisatoren ein wachsendes Verständnis für Inklusion in den sächsischen Kindertagesstätten. Nach einem Fachtag vergangene Woche in Chemnitz sagte die zuständige Projektleiterin Diana Liebig vom Institut 3L in Dresden: "Wir konnten vielen Teilnehmern den Inklusionsgedanken näherbringen und für Aha-Erlebnisse sorgen."

Mehr als 160 Pädagogen und Experten der Kinder- und Jugendhilfe aus ganz Sachsen hatten über Perspektiven einer Betreuung aller Kinder - ob mit oder ohne Handicap - gemeinsam in einer Kindertagesstätte diskutiert. Eine zentrale Erkenntnis: Der Weg dahin wurde eingeschlagen, jetzt geht es um die Umsetzung. "Wichtig ist, in den Köpfen zu beginnen, um Haltungen verändern zu können", sagte Diana Liebig. Derzeit werden in Sachsen knapp neun Prozent der Kinder nicht in der Regeleinrichtung, sondern in integrativen und heilpädagogischen Einrichtungen betreut. Spezialeinrichtungen werden bereits in einigen Regionen nicht mehr neu geplant oder sogar abgeschafft. Besonders in den heilpädagogischen Kitas und auch bei betroffenen Eltern gibt es jedoch Vorbehalte gegenüber der Inklusion. Befürchtet wird, dass etwa behinderte Kinder künftig nicht mehr ausreichend gefördert werden.

"Bemühen statt diskriminieren"

Ursula Rabe-Kleberg vom Hallenser Institut "Bildung: elementar", die das Modellprojekt wissenschaftlich begleitet, mahnte einen Perspektivwechsel an. Kinder mit Benachteiligungen in Fördereinrichtungen zu betreuen, sei gut gedacht, aber der falsche Ansatz. "Die Menschen werden separiert und so erst durch ihre Behinderung geprägt", sagte die Professorin an der Universität Halle. Dies sei im Grundsatz eine Ausgrenzung, "die zu Diskriminierung führt". Staat und Gesellschaft hätten hier eine "Bemühenspflicht", so die Bildungssoziologin. "Sie müssen sich bemühen, diese Diskriminierung abzubauen."
Für die Kindertagesstätten heiße das: Die bisher praktizierte Integration - "wir nehmen ein paar behinderte Kinder auf" - werde aus einem "defizitorientierten Blick auf die Kinder" gedacht. Inklusion bedeute, den Blick auf Barrieren zu richten, die abgebaut werden müssen, um Vielfalt leben zu können.

In der Praxis gibt es bereits entsprechende Ansätze. "Jedes Kind, das vor unserer Tür steht, wird aufgenommen", sagte die Leiterin der Awo-Kindertagesstätte "Weg ins Leben" in Johanngeorgenstadt, Antje Saffert. Die bilinguale Kita, in der auch tschechische Kinder von einer tschechischen Erzieherin betreut werden, arbeitet an der Teambildung, um den Ansatz der Inklusion zu vertiefen. "Alle Mitarbeiter sollen eine heilpädagogische Zusatzausbildung haben", kündigte die Leiterin an. Wichtig sei auch eine große Beteiligung der Kinder. "Bei den Mahlzeiten kann sich jedes Kind selbst das Essen auf den Teller tun. Die Kinder helfen sich gegenseitig - das schafft für die Erzieher Zeit zur Beobachtung", berichtete Antje Saffert.

Rückschläge und Bürokratie


Teilnehmer der Fachtagung berichteten indes auch von Rückschlägen. "Wir haben mit einem autistischen Kind alles probiert, sogar mit 1:1-Betreuung. Schließlich mussten wir es doch in die heilpädagogische Einrichtung geben", sagte eine Erzieherin aus einer integrativen Kita in Chemnitz. Kollegen der Kita "Altstadtinsel Dresden", wo ein integratives und ein heilpädagogisches Haus zusammengelegt werden sollen, berichteten vom gewachsenen Verständnis der Eltern. Es gebe jedoch Probleme mit der Betriebserlaubnis, weil nur ein Teil der Einrichtung behindertengerecht sei.

Einig waren sich die Pädagogen: Für die Umsetzung der Inklusion reicht das Personal derzeit nicht aus. Laut Statistik ist die Betreuungssituation in Sachsens Kitas so schlecht wie in kaum einem anderen Bundesland. Arnfried Schlosser vom Kultusministerium bestätigte: "Der Personalschlüssel ist im Moment nicht förderlich für die Inklusion."


Inklusion: Von Salamanca nach Sachsen

Im Juni 1994 wurde auf einer Unesco-Konferenz im spanischen Salamanca erstmals die Inklusion als Ziel der internationalen Bildungspolitik formuliert. Die Deutsche Unesco-Kommission legte 2009 entsprechende Leitlinien vor.

Mit einem Modellprojekt wird in Sachsen seit 1. Februar 2013 begonnen, Inklusion in Kindertagesstätten umzusetzen. Sechs Modellstandorte werden vier Jahre fachlich begleitet. So sollen Qualitätskriterien, aber auch Empfehlungen für fachliche und gesetzliche Rahmenbedingungen erarbeitet werden. In Südwestsachsen sind die Kitas "Flohzirkus" in Chemnitz-Wittgensdorf, "Weg ins Leben" in Johanngeorgenstadt und "Pusteblume" in Frankenberg beteiligt. (oha)

» www.inklusion-sachsen.de
 

erschienen am 30.09.2013 (Oliver Hach)


© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG 
 



Freie Presse Leserbrief vom 09.10.2013
 

Kräfte bei Inklusion bündeln

Zur Diskussion um die Eingliederung behinderter Kinder in Kindergärten und Schulen erreichte uns diese Lesermeinung.

Inklusion heißt Vielfalt leben, dabei ist eine Kita für alle das Ziel! Hoffen wir, dass der aktuelle Modellversuch die Ergebnisse des Modellversuches "Integration von behinderten Kindern in Kindertageseinrichtungen" aus den Jahren 1996-1999 gleich mit einbezieht. Und die dort gewonnen Erfahrungen nicht wieder neu gemacht werden müssen, damit sie irgendwann bei den Verantwortlichen ankommen und für notwendige Veränderungen sorgen.
Denn Personalschlüssel, Ausstattung, Ausbildung, Betriebserlaubnis, gesetzliche Rahmenbedingungen waren dort vor Jahren schon Thema.
Für Eltern und Kinder ist es wichtig eine gute wohnortnahe sowie aufnahmebereite Kita vorzufinden. Und dies möglichst ohne, dass sie vor der Aufnahme ihres Kindes besondere Kraftanstrengungen leisten müssen, denn zusätzliche Kraft ist ist nicht unerschöpflich.
Wenn die Kita vor Ort dann noch wie in der UN-Behindertenrechtskonvention vorgesehen, die angemessen Vorkehrungen für inklusive Bildung bereithält, sind auch ängstliche Eltern bzw. Pädagogen  schnell überzeugt und lassen sich auch vom leider immer noch nicht selbstverständlichen Übergang in die Regelschule nicht abschrecken. Inklusion heißt Vielfalt leben und geht uns alle an. Nur wenn alle mitmachen kann Inklusion gelingen!

Julia Wunsch Chemnitz-Draisdorf